Regelinfo 01-2013 veröffentlicht
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DEUTSCHER VOLLEYBALL-VERBAND E.V.
Bundesschiedsrichterausschuss
Prof. Dr. Fred Kröger
Regelinformation
Stand: 21.03.2013
Die FIVB hat auf ihrem Kongress Mitte September 2012 eine Reihe von Regeländerungen beschlossen. Diese werden im Spielverkehr des DVV ab der Spielzeit 2013/14 wirksam. Die Neuerungen sind im Folgenden zusammengestellt.
Diese Aufstellung ersetzt die Regel-(Vorab-)Information vom 30.12.2012.
1. Terminologie
Im neuen Regelwerk werden folgende neue Begriffe definiert und verwendet:
Der Libero auf dem Feld ist der aktive Libero. Gibt es einen weiteren Libero, ist er der zweite Libero. Ein Libero ist spielunfähig, wenn er sich verletzt, erkrankt, hinausgestellt oder disqualifiziert wird. Ein Libero kann durch den Trainer (bei Abwesenheit: durch den Spielkapitän) aus jedem beliebigen Grund (z.B. auch wegen schlechter Leistung) für spielunfähig erklärt werden. (Regeln 19.1.3 und 19.4.1 – neu.)
In der aktuellen Übersetzung werden außerdem einige deutsche Regel-Begriffe durch neue ersetzt. (Im englischen Original sind sie unverändert.) Die neuen Begriffe sind:
Co-Trainer (statt bisher: Trainerassistent, Regel 4.1.1),
reguläre Spielunterbrechung (statt bisher: normale Spielunterbrechung, Regel 15),
Fehlverhalten (statt bisher: unkorrektes Verhalten, Unkorrektheit(en), Regel 21),
unangemessenes Verhalten (statt bisher: ungebührliches Verhalten, Regel 21.2.1),
ausfallendes Verhalten (statt bisher: beleidigendes Verhalten, Regel 21.2.2),
Aggression (statt bisher: Tätlichkeit, Regel 21.2.3).
In den folgenden Ausführungen werden die neuen Begriffe bereits verwendet.
2. Inhaltliche Neuerungen
Die wichtigsten Änderungen sind inhaltlicher Natur und erfordern damit auch vom Schiedsrichter eine Neuorientierung bei der Beurteilung entsprechender Spielsituationen. Es handelt sich um folgende Neuerungen:
a) Mannschaften
Eine Mannschaft setzt sich aus höchstens 12 Spielern sowie dem Trainerstab (ein Trainer und maximal zwei Co-Trainer) und dem medizinischen Personal (ein Physiotherapeut und ein Arzt) zusammen. Nur Personen, die auf dem Spielberichtsbogen eingetragen sind, dürfen im Normalfall den Wettkampfbereich betreten und am Aufwärmen und am Spiel teilnehmen. (Regel 4.1.1)
Die Trikots der Spieler müssen von 1 bis 20 nummeriert sein. (Regel 4.3.3)
Bemerkung: Die früher (international) mögliche Mannschaftsstärke von 14 Spielern existiert nicht mehr.
b) Spieler, die nicht im Spielberichtsbogen eingetragen sind
Wird festgestellt, dass sich ein Spieler auf dem Spielfeld befindet, der nicht in der Mannschaftsliste eingetragen ist, so ist wie folgt zu verfahren: Erzielte Punkte des Gegners bleiben erhalten; Gegner erhält Punkt und Aufschlag; Mannschaft verliert alle Punkte und/oder Sätze (gegebenenfalls 0:25), die sie seit dem Zeitpunkt erzielt hat, zu dem der betreffende Spieler auf das Spielfeld gekommen ist; sie muss ein korrigiertes Aufstellungsblatt abgeben und einen eingetragenen Spieler anstelle des betreffenden Spielers weiterspielen lassen. (Regel 7.3.5.4 – neu)
Ein Wechsel mit einem nicht im Spielberichtsbogen eingetragenen Spieler gilt als „unrechtmäßiger Wechsel“. (Regel 15.9.1)
Bemerkung: Dieser Fall war bisher im Regelwerk nicht berücksichtigt. Seine Konsequenzen wurden von der spielleitenden Stelle gemäß Ordnungswerk bestimmt.
c) Ballbehandlung
Eine Doppelberührung bei der Annahme des gegnerischen Aufschlags in der Technik des oberen Zuspiels ist ein Fehler. (Regeln 9.2.3.2 und 9.2.4 – neu)
Bemerkung: Alle anderen Regeln bzgl. der Ballbehandlung – insbesondere beim „ersten Ball“ – bleiben unverändert.
d) Sichtblock
Ein Sichtblock wird begangen durch Handlungen, die sowohl den Aufschlagspielers als auch die Flugbahn des Balles verdecken. (Regel 12.5)
Bemerkung: Bisher nur „…der Flugbahn des Balles“.
e) Libero(s)
Spielt eine Mannschaft mit 2 Liberos, so können diese (wie bisher bereits testweise praktiziert) „frei“ verwendet werden. (Regeln 19.1.3, 19.3.2.2)
Ein unrechtmäßiger Libero-Austausch wird behandelt wie ein unrechtmäßiger Wechsel, d.h.:
- falls vor dem nächsten Aufschlag bemerkt: Korrektur und Sanktion wegen Verzögerung;
- falls nach dem nächsten Aufschlag bemerkt: Konsequenzen wie bei unrechtmäßigem Wechsel.
(Regel 19.3.2.9 – neu)
Eine Mannschaft darf eine Libero-Neubenennung nur vornehmen, wenn der/die ursprüngliche(n) Libero(s) spielunfähig ist/sind oder für spielunfähig erklärt wird/werden. (Regeln 19.4.2.1, 19.4.3, 19.5)
Der/Die durch eine Neubenennung ersetze(n) Libero(s) darf/dürfen am Rest des Spiels nicht mehr teilnehmen. (Regel 19.4.2.2)
Befindet sich der einzige (oder einzig verbliebene) Libero auf dem Spielfeld und wird spielunfähig, so kann er entweder durch seinen Austauschspieler oder direkt (auf dem Spielfeld) durch einen neubenannten Libero ersetzt werden. Wird er als spielunfähig erklärt und soll aus diesem Grund ein neuer Libero benannt werden, so ist dies nur möglich, wenn er sich nicht gerade auf dem Spielfeld befindet. (Regel 19.4.2.2)
Libero-Neubenennungen sind im Spielberichtsbogen zu vermerken und im Libero-Kontrollbogen (falls verwendet) zu protokollieren. (Regeln 25.2.2.7 und 26.2.2.1)
f) Verwarnungen und Sanktionen
Bei geringfügigem Fehlverhalten erfolgt die vom 1. Schiedsrichter geforderte Vorbeugung vor Sanktionen in zwei Stufen:
- Stufe 1: durch verbale Verwarnung über den Spielkapitän;
- Stufe 2: durch Zeigen der GELBEN KARTE an das betreffende Mannschaftsmitglied. Diese formelle Verwarnung ist keine Sanktion, sondern ein Zeichen, dass das Fehlverhalten des Mannschaftsmitglieds (und damit auch das der gesamten Mannschaft) für das Spiel ein Ausmaß erreicht hat, das Sanktionen zur Folge hat. Sie wird im Spielberichtsbogen eingetragen, hat aber keine unmittelbaren Konsequenzen.
(Regel 21.1, Handzeichen 6a)
Sanktionen werden dementsprechend durch die Karten(kombinationen) „rot“, „gelb+rot zusammen“ bzw. „gelb+rot getrennt“ angezeigt. (Regel 21.6, Handzeichen 6b, 7, 8)
Die Handzeichen für Verzögerungs-Sanktionen werden analog angepasst: gelbe/rote Karte (am Handgelenk) für Verwarnung/Bestrafung. (Handzeichen 25)
3. Klarstellungen und Präzisierungen
In folgenden Punkten sind Festlegungen, die bisher bereits implizit enthalten oder durch verbindliche Interpretationshinweise gegeben waren, im neuen Regeltext explizit formuliert:
a) Die Verwendung eines elektronischen Spielberichtsbogens ist möglich. (Regel 4.1.3)
b) Ein Aufwärmen der Spieler (auch mit Bällen) in Satzpausen ist (nur) in deren eigener Freizone erlaubt. (Regel 4.2.4)
c) Die Übernahme der Aufgaben des Trainers durch den Co-Trainer wegen Abwesenheit des Trainers ist nicht erlaubt, wenn dieser als Spieler auf das Feld kommt. (Regel 5.3.2)
d) Bei Wechselanträgen ist kein Handzeichen des Trainers nötig, außer bei Wechseln vor Satzbeginn oder infolge von Verletzungen. (Regeln 7.3.5.3, 15.5.2 – neu und 15.10.3a)
e) Ein Positionsfehler ist (auch) gegeben, wenn ein Spieler aufgrund eines unrechtmäßigen Wechsels auf dem Feld steht. (Regel 7.5.1)
f) Ein Spieler beeinflusst das gegnerische Spiel u.a. durch die Zuhilfenahme des Netzes beim Spielen des Balles oder die Erlangung eines Vorteils gegenüber dem Gegner durch eine Netzberührung. (Regel 11.4.4)
g) Zwischen zwei getrennten Wechselanträgen der gleichen Mannschaft muss ein vollendeter Spielzug liegen. (Regel 15.2.3 – neu)
h) Ausnahmsweise Wechsel zählen – wie bisher – nicht im Rahmen der zulässigen Anzahl von Wechseln, werden aber in der Statistik des Spielberichtsbogens „mitgezählt“. (Regel 15.7)
i) Wenn bei einem Mehrfachwechsel einer der Wechsel unrechtmäßig ist, werden der/die rechtmäßige(n) Wechsel erlaubt, der unrechtmäßige nicht. Die Mannschaft wird zudem wegen Verzögerung sanktioniert. (Regel 15.10.4)
j) Ein zweiter Wechselantrag in derselben Unterbrechung ist im Falle einer Verletzung eines Spielers erlaubt. (Regel 15.11.1.3)
k) Der erste unberechtigte Antrag, der zu keiner Spielverzögerung führt, ist im Spielberichtsbogen zu vermerken. (Regel 15.11.2)
l) Die Verzögerung jeder regulären Spielunterbrechung (nicht nur eines Wechsels) sowie die Verlängerung von Unterbrechungen nach der Aufforderung zur Spielfortsetzung stellen Verzögerungen dar. (Regeln 16.1.1 und 16.1.2)
m) Verletzung und Krankheit sind gleichgestellt. (Regel 17.1)
n) Bei der Wiederaufnahme eines Spiels auf demselben Spielfeld dürfen hinausgestellte oder disqualifizierte Spieler nicht eingesetzt werden. Bei der Fortführung auf einem anderen Spielfeld bleiben alle bisherigen Sanktionen erhalten. (Regeln 17.3.2.1 und 17.3.2.2)
o) Ein Libero-Austausch ist ausnahmsweise vor Ablauf eines vollendeten Spielzugs nach dem letzten Austausch erlaubt, wenn der Libero aufgrund einer Sanktion auf Position 4 rotieren müsste oder der aktive Libero spielunfähig wird. (Regel 19.3.2.1)
p) Ein hinausgestellter oder disqualifizierter Spieler, der sich auf dem Spielfeld befindet, muss sofort normal ausgewechselt werden. (Regeln 21.3.2.1 und 21.3.3.1)
q) Entscheidungen über fehlerhafte Netzberührungen durch Spieler werden durch den 1. Schiedsrichter vor allem auf der Angreiferseite und durch den 2. Schiedsrichter vor allem auf der Blockseite getroffen. (Regeln 23.3.2.3 und 24.3.2.3)
r) Auch der 2. Schiedsrichter hat nach dem Spiel den Spielberichtsbogen vor seiner Unterschrift zu überprüfen. (Regel 24.3.3)
s) Linienrichter zeigen auch an, wenn der Ball nach der dritten Ballberührung (nicht nur beim Aufschlag) das Netz außerhalb des Überquerungssektors überfliegt. (Regel 27.2.1.3)
4. Sonstige Änderungen
Über die vorgenannten Punkte hinaus enthält der neue Regeltext noch eine Reihe von
- Änderungen/Ergänzungen für „FIVB-, World- und Official“-Wettbewerbe (im Regelbuch kursiv gedruckt),
- redaktionelle Änderungen (Strukturierung und Gliederung, kleinere Umformulierungen, u.ä.).
Darüber hinaus verwendet auch die aktuelle deutsche Übersetzung – abgesehen von den unter Punkt 1 genannten neuen Begriffen – für eine Reihe von unveränderten Originaltexten neue Formulierungen.
Auf solche Änderungen wird hier nicht im Einzelnen eingegangen.
5. Regelauslegungen
Zu einigen der Regelneuerungen werden noch Erläuterungen der FIVB zur Auslegung erwartet. Sie werden veröffentlicht, sobald sie vorliegen.