Ü 50 Seniorinnen siegen beim "Veteranencup" in Moskau
im Kader aus Bayern: Terry Schättler (Kapitän), Sigrid Niemczyk, Angelika Reith, Almut Kemperdick-Neumaier und Klaus Drauschke (Coach)
Die Volleyball-Nationalmannschaft ‚Ü50’ ist ein Auswahlteam fitter Volleyballspielerinnen der Altersgruppe „50 plus“ – bundesweit von Auswahltrainer Klaus Drauschke, BVV-Präsident, gesichtet und vorbereitet. Fast alle Spielerinnen sind bundesligaerprobt, einige hatten bereits zu ihrer aktiven Zeit internationale Einsätze und Erfolge, wie beispielsweise Mannschaftsführerin Terry Schättler, geb. Place (56), mit 312 Länderspielen für die USA und 213 für die Bundesrepublik eine unserer Rekord-Nationalspielerinnen. Alle zwei Jahre nimmt die deutsche Ü50-Auswahl in den USA am so genannten Global Cup, einer Art Weltmeisterschaft für Überfünfzigjährige teil. In diesem Jahr gewann das deutsche Team dort die Silbermedaille, wurde Vizeweltmeister.
Solche Erfolge sprechen sich herum. Überraschend flatterte Terry Schättler nach ihrer Rückkehr nach Deutschland gleich eine Einladung aus Russland ins Haus, sich dort am Wochenende vor Weihnachten beim ‚Veteranencup’ in Moskau mit den besten Ü50-Teams des Landes zu messen. Spontan sagte die Mannschaft, sich der Ehre bewusst, zu. Innerhalb kürzester Zeit war viel vorzubereiten. Urlaub genehmigen lassen, Flüge buchen, Visa einholen, Sponsoren suchen. Zum Glück fand sich mit 3B Scientific ein Unterstützer, der sich der Unternehmung aufgeschlossen zeigte und die Mannschaft spontan mit Kinesio-Tapes versorgte. Bei der Visumserteilung hingegen blieb es in dem einen oder anderen Fall spannend bis zum Schluss.
Doch am Ende trafen alle, die sich auf das Abenteuer Moskau einlassen wollten, dort auch pünktlich und wohlbehalten ein. Vor Ort machte den Deutschen nicht etwa der russische Winter am meisten zu schaffen – sondern die total überhitzten Räume. Und natürlich die Sprache. Außer der gebürtigen Kasachin Marina Cukseeva sprach niemand im Team auch nur annährend Russisch. Und die meisten Russen kein Deutsch oder Englisch. So kamen viele Bestellungen zu Essen und Trinken falsch an – selbst Marina Cukseevas Sprachkünste führten bei den Kellnern nur bedingt zu Volltreffern. Und warum plötzlich im besuchten Lokal eine Schlägerei ausbrach, nachdem ein Russe eine der hochgewachsenen blonden Germaninnen angesprochen hatte, wusste hinterher niemand recht zu sagen.
Irritierend für den Ausländer auch die vielen Verkehrsstaus in Moskau. Eine Stadtrundfahrt kann da schon einmal ein paar Stunden länger dauern. Aber in Russland ist ohnehin vor allem Improvisationsvermögen gefragt. Nie läuft etwas wirklich so, wie geplant oder vereinbart. Die blendende Stimmung im deutschen Team konnte dennoch nichts trüben.
Sportlich lief es für die gut ausgerüsteten deutschen Spielerinnen beim Veteranencup ohnehin hervorragend. Die Auftaktbegegnung gegen St. Petersburg gewann die deutsche Mannschaft mit 2:0 (25:17, 25:21) und das Zwischenspiel gegen Jaroslawl ebenfalls (25:16, 25:13). Im finalen Match musste Moskau bezwungen werden; ein harter Fight, bei dem auch das Schiedsgericht nicht unbedingt auf deutscher Seite war. Nichtsdestotrotz gewannen die unsere Volleyballerinnen auch diese Partie mit 2:0 Sätzen (25:13, 25:22) und wurden Cupsieger. „Alle haben bis zum Umfallen gekämpft. Ich bin stolz auf meine Mädels“, gab Coach Klaus Drauschke zu Protokoll.
Lob gab es von allen Seiten. „Ich bin sogar nach meinen geheimen Trainingsmethoden gefragt worden“, schmunzelt Drauschke. Marina Cukseeva wurde als beste Spielerin des Turniers ausgezeichnet. Nur die Siegerehrung lief dann wieder etwas anders ab als gewohnt. Die kam nämlich etwas überraschend zwischendurch, ohne Ankündigung, als die deutschen Frauen bereits größtenteils unter der Dusche waren. Drauschke: „Einige hatten auf der Zeremonie wohl nur ihren Trainingsanzug an …“ Bei der Ehrung sollte die Landeshymne der Sieger gespielt werden – es kam „Deutschland, Deutschland über alles“.
Das Team nahm alles mit viel Humor und stoischer Gelassenheit. Ob alles im Hotel funktionierte oder manchmal auch nicht, ob das Internet ab und zu ging oder der Fahrstuhl mal wieder nicht, ob das Zimmer geputzt wurde oder auch mal nicht, ob das bestellte Essen kam oder mal was ganz anderes, ob man mal jemanden fand, der Auskunft geben konnte oder eben nicht – die sehr warmherzige russische Gastfreundschaft machte alles wett. Und beim Feiern floss der Wodka in Strömen. „Im Grunde wurden alle Vorurteile bestätigt“, lacht Klaus Drauschke. „Aber so oder so war Moskau in jedem Fall die Reise wert!“ Ein großer Dank des Teams geht deshalb an alle, die sie möglich gemacht haben.
Text + Bilder: Petra Gielkens